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Anderson, Peter D. - Arthritis Linderung
Anderson, Peter D. - Arthritis Linderung
Ebenso vielfältig wie die zu einer Arthritis führenden medizinischen Gründe sind auch die auftretenden Formen. Man kann sie erst einmal grob in zwei Hauptgruppen einteilen: akut und chronisch.
 


 
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Die unterschiedlichen Erkrankungsformen
 
 Von ›akuten‹ Erkrankungen spricht man dann, wenn sie plötzlich beginnen und schnell verlaufen. Mit dem Begriff ›chronisch‹ bezeichnet man langanhaltende Krankheitsverläufe. Damit aus einer akuten Erkrankung nicht eine chronische wird, sollte man bei jedem Anzeichen von körperlichen Veränderungen, vor allem bei Warnsignalen wie Verfärbungen, Schwellungen und Schmerzen, unverzüglich einen Arzt konsultieren, damit der Grund hierfür möglichst schnell diagnostiziert wird und eine geeignete Therapie einsetzen kann. Dies gilt ganz besonders für alle rheumatischen Erkrankungen, denn aus einem leichten Ziehen kann bereits binnen weniger Tage ein bis in die letzte Faser des Körpers durchdringender Schmerz werden, wenn man nichts dagegen unternimmt.
In der Bundesrepublik Deutschland leiden derzeit rund 3 Millionen Menschen an schweren rheumatischen Erkrankungen, weitere rund 7 Millionen werden von leichteren Formen heimgesucht. So sind etwa 10 Millionen Menschen in unserem Land von rheumatischen Beschwerden betroffen, von denen viele gar nicht wissen, daß die Gründe ihrer kleineren und größeren Beschwerden in diesem Bereich zu suchen sind.
Hinter dem Populärbegriff ›Rheuma‹ verbergen sich mehr als dreihundert Erkrankungen der Bewegungsorgane, deren gemeinsame Merkmale sich in Schmerz und Bewegungseinschränkungen ausdrücken.
Gelenke, Muskeln, Sehnen und die Wirbelsäule sind diejenigen Bereiche, die betroffen sein können, und hier unterscheiden sich die verschiedenen Formen der Erkrankungen.
Wir können die rheumatischen Erkrankungen in drei große Gruppen einteilen, die am häufigsten auftreten:
* Arthritis (und Poyarthritis),
* Arthrose,
* Weichteilrheumatismus.
Bei der ›Arthritis‹ handelt es sich, wie wir bereits wissen, um eine Gelenkentzündung.
 
Von ›Polyarthritis‹ spricht man, wenn mehrere Gelenke in einem Körper betroffen sind.
 
›Arthrose‹ ist eine oft altersbedingte Degeneration eines Gelenkknorpels, aber auch anderer Gelenkteile. Statistiken haben gezeigt, daß am häufigsten Hüft- und Kniegelenke davon betroffen werden.
 
›Weichteilrheumatismus‹ nennt man die Entzündung von Sehnen, Muskeln, Bändern oder Nerven. Auch wenn ein Gelenk selber davon nicht betroffen ist, können diese Entzündungen die Mobilität einschränken und Schmerzen verursachen, die der Betroffene wie Gelenkschmerzen lokalisiert.
 
Grundsätzlich unterscheidet der Mediziner zwischen der entzündlichen Form (Arthritis, Weichteilrheumatismus) und der degenerativen Form (Arthrose).
 
Diese Unterscheidung ist bei der ärztlichen Diagnose äußerst wichtig, da sich die Therapien grundsätzlich unterscheiden.
 
Bei einer entzündlichen rheumatischen Erkrankung muß die Entzündungsursache erkannt und therapiert werden, während bei der degenerativen Form in schweren Fällen sogar operative Abhilfen am Gelenk selber von Nöten sein können.
 
Natürlich können die beiden verschiedenen Krankheitsformen auch ineinander übergehen. Die Grenzen sind hierbei fließend. Aus einer Gelenkentzündung kann durchaus eine Deformation entstehen. Ebenso kann eine degenerative Verformung eines Gelenkteils, etwa durch Scheuern und Reiben, auch zu Entzündungen führen. Weiterhin kann ein Patient von beiden Formen gleichzeitig geplagt werden. Deshalb enthält dieser Ratgeber Hilfen, Verfahren und Heilmittel für alle Formen von rheumatischen Erkrankungen.
 
Doch beschäftigen wir uns nun etwas näher mit einigen der rund 300 rheumatischen Krankheitsbilder.
 
Ankylose
 
Diese aus dem Griechischen stammende medizinische Bezeichnung steht für eine Gelenkversteifung, die als Endzustand eines meist entzündlichen Gelenkprozesses eintreten kann. Unterschieden werden drei Formen:
* Fibröse Ankylose: Hierbei sind die Gelenkkörper bindegewebig miteinander verbunden.
* Knöcherne Ankylose: Die Gelenkkörper sind knöchern miteinander verwachsen.
* Kongenitale Ankylose: Bezeichnung für Gelenkbildungsstörungen, die angeboren sein können und bereits im Mutterleib während der Differenzierung des Knorpelskeletts einsetzen.
 
Genaue Krankheitsgründe sind bisher noch unerforscht, doch geht man in neuerer Zeit davon aus, daß ein bestimmtes Gen, HLA-B27 genannt, dafür maßgebliche Verantwortung trägt. Bei Studien in den USA wurde es in mehr als 90% der Ankylose-Patienten inzwischen nachgewiesen.
 
Arthritis mutilans
 
Hierbei handelt es sich um eine Form der Arthritis, die mit einer schnellen Destruktion der Gelenkflächen und des gelenknahen Knochens verbunden ist. Sie führt zur Verkürzung der betroffenen Glieder und stellt sich nicht in einem einheitlichen Krankheitsbild dar, sondern in unterschiedlichen Verlaufsvarianten definierter entzündlicher Gelenkerkrankungen.
 
Arthritis neuropathica
 
Obwohl als ›Arthritis‹ bezeichnet, handelt es sich hierbei um eine Arthrose (Arthrosis deformans) in schwerster Form. Sie erscheint meist im Gefolge von Nervenschädigungen, zum Beispiel bei Diabetes melitus (Zuckerkrankheit), aber auch bei einer schweren Syphilis-Erkrankung. In älteren Veröffentlichungen auch noch als ›Arthropatia neuropathia‹ bezeichnet.
 
Arthritis purulenta
 
Eine akute, eitrige Gelenkentzündung, die traumatisch oder von eitrigen Prozessen in der Umgebung des betroffenen Gelenks, etwa bei Scharlach, Typhus oder Gonorrhoe abgeleitet entsteht. Erreger sind kugelförmige Bakterien, Kokken genannt, die in vielfältiger Art auftreten können. Häufig sind es Staphylokokken, weniger treten Streptokokken oder Gonokokken als Erreger auf. Auch Koli- oder Grippebakterien können Auslöser der Krankheit sein.
 
Arthritis purulenta ist bei einer normalen hausärztlichen Diagnose kaum feststellbar. Eine Punktierung des betroffenen Gelenks und die mikrobiologische Untersuchung des Punktats ist für eine exakte Diagnose erforderlich
 
Arthritis tuberculose
 
Diese Form der Gelenkentzündung befällt am häufigsten Knie-, Hüft- und Ellbogengelenke und wird durch Tuberkelbazillen hervorgerufen. Arthritis urica
 
Medizinische Bezeichnung für Gicht.
 
Arthrose
 
Medizinischer Name: Arthrosis deformans, im englischen Sprachgebrauch auch Osteoarthrose und Osteoarthritis deformans genannt, bezeichnet eine überwiegend degenerative Erkrankung nur der Gelenke und nicht der angrenzenden Bereiche.
 
Im Krankheitsverlauf bilden sich Gelenkteile, häufig der Gelenkknorpel, langsam, aber fortwährend zurück. Diese Rückbildung wird meist erst dann bemerkt, wenn sie sich durch Schmerzen, Verfärbung, Schwellung oder Bewegungsbeeinträchtigung bemerkbar macht. Gründe hierfür können Alter, Abnutzung, aber auch eine Erkrankung oder Folgen einer vorausgegangenen Entzündung sein.
 
Bechterewsche Krankheit
 
Nach dem russischen Neuropathologen W.M. Bechterew (1857-1927) benannte Krankheit, die hauptsächlich Männer befällt. Die krankheitsauslösenden Ursachen wurden bis heute noch nicht genau entdeckt.
 
Man weiß aber inzwischen, daß die Krankheit, die bis hin zur völligen Versteifung des Rückens und des Brustkorbes führen kann, bereits einige Jahre vor ihrem Ausbruch gewisse Signale ausstrahlt.
 
So klagten fast alle erkrankten Menschen zuvor über eine besondere Erschütterungsempfindlichkeit des Körpers. Besonders empfindlich reagierte meist die Wirbelsäule. Treppensteigen, Abrutschen von Kanten oder Fahren mit einem schlecht gefederten Auto über unebene Straßen oder Wege wurden für diese Menschen zur Qual.
 
Neben der Wirbelsäule reagierten auch Füße, Zehen oder das Steißbein besonders empfindlich auf alle Erschütterungen.
 
Noch vor wenigen Jahren hieß es, die Krankheit sei unheilbar. Inzwischen weiß man aber, daß durch bestimmte Bewegungsübungen, aber auch durch Heilmittel, Kuren und Massagen die Versteifung des Rückens erfolgreich bekämpft werden kann.
 
Wichtig ist die Frühdiagnose durch einen Facharzt.
 
Ehlers-Danlos-Syndrom
 
Hinter diesem Begriff, Kurzform EDS, verbirgt sich eine Gruppe vererblicher Erkrankungen, die hauptsächlich Haut und Gelenke befallen. Es ist eine sehr seltene Krankheit, die zu einer höheren Verletzlichkeit der Haut sowie zu überstreckbareren Gelenken führt, die Blutungsneigung steigt an, es kann zu Minderwuchs und zu Netzhautablösungen kommen.
 
Gicht
 
Ist eine Krankheit, die als Folge gestörten Harnsäure-Stoffwechsels entsteht. Hierbei ist die Harnsäure in den Körperflüssigkeiten, auch im Blut, zu hoch. Bei großer Überkonzentration bilden sich Harnsäurekristalle im Gewebe, die auch zu Knotenbildungen führen. Sowohl Gelenkknorpel, Schleimbeutel, als auch Knochen können befallen werden.
 
Es kommt zu Entzündungen, die neben allen Gelenken auch gesamte Körperpartien befallen können. Die Schmerzen können sich bis ins Unerträgliche steigern.
 
Karpaltunnel-Syndrom
 
Hinter diesem Namen verbirgt sich eine Entzündung des sogenannten Karpantunnels (Handwurzelkanal), die vielfältige Auslösungsgründe haben kann.
 
Die akute Form wird meist durch Hämatome bzw. Ödeme bei Verletzungen der Handwurzel ausgelöst.
 
Chronische Krankheitsverläufe zeigen sich bei unfallbedingten Deformierungen im Handwurzelbereich.
 
Die Krankheit drückt sich durch Sensibilitätsstörungen der Hand, verbunden mit schmerzhaften Behinderungen der Fingerbeugung aus. Es können Spontanschmerzen auftreten.
 
Kawasaki-Krankheit
 
Eine vorwiegend bei Kleinkindern auftretende Krankheit, die akut auftritt, dann aber meist einen langdauernden Krankheitsverlauf zeigt, der auch letal enden kann. Erstmals durch Kawasaki 1967 beschrieben. Besonders in Asien und den USA, aber auch in Europa wurde diese Krankheit beobachtet.
 
Symptome: Lymphknotenvergrößerung, hauptsächlich in der Halsregion, Hautausschlag, Mundschleimhautentzündung und Gelenkschwellungen.
 
Ursachen sind noch nicht genau bekannt. Man vermutet Immunkomplexkrankheit, möglicherweise durch Hausmilben. Lyme-Borreliose
 
Auch Lyme-Krankheit genannt. Erstmals 1976 bei einer Gruppenerkrankung in der kleinen Stadt Lyme im amerikanischen Staat Massachusetts aufgezeichnete Infektionskrankheit, die durch Zeckenbiß übertragen wird. Die Inkubationszeit kann einige Tagen, aber auch einige Wochen nach dem Zeckenbiß betragen.
 
Im Frühstadium des Krankheitsverlaufes stellen sich von der Bißstelle ausgehende Lymphknotenschwellungen ein, es kommt zu Kopfweh, Müdigkeit und grippeähnlicher Abgeschlagenheit.
 
Im Spätstadium, nach einigen Wochen bis Monaten, treten schubweise arthritische Beschwerden und Skelettschmerzen auf, die sich vor allen Dingen an den großen Gelenken bemerkbar machen.
 
Alle Symptome können einzeln, wechselnd oder gemeinsam auftreten. Die Krankheitsdauer beträgt im Normalfall sechs bis neun Monate.
 
Monoarthritis
 
Bezeichnung für ein Krankheitsbild wie bei Polyarthritis, doch es ist nur ein Gelenk befallen.
 
Muskelrheumatismus
 
Ein Sammelbegriff für verschiedene Erkrankungsformen der Muskeln, die alle sehr schmerzhaft sind. Die Ursachen der Krankheiten können unterschiedlich sein: Entzündungen, degenerative Veränderungen, Haltungsschäden, einseitige Arbeitshaltung, psychische Schäden und vieles mehr.
 
Häufig dehnen sich die Schmerzen auch auf die benachbarten Gebiete aus, und es kann zu Bewegungseinschränkungen von Gelenken kommen.
 
Ein Musterbeispiel für Muskelrheumatismus ist die Tendomyose.
 
Osteoarthritis
 
Osteoarthritis, Osteoarthritis deformans und Osteoarthrose sind Bezeichnungen aus dem englischen Sprachraum für Arthrose. Polyarthritis
 
Eine der häufig auftretenden Arthritisformen ist die Polyarthritis, bei der mehrere Gelenke gleichzeitig befallen sind.
 
Während in den vergangenen Jahren ein Rückgang der Polyarthtitis bei Erwachsenen verzeichnet wurde, ist sie bei Kindern wieder auf dem Vormarsch.
 
Man unterscheidet auch bei diesem Krankheitsbild zwischen akuter und chronischer Erkrankung. Die chronische Arthritis wird ›Rheumatoid-Arthritis‹ genannt. In beiden Formen wird eine Gruppenunterscheidung nach der Anzahl der betroffenen Gelenke und der Schwere der Krankheit vorgenommen. Es wurden drei Gruppen festgelegt:
 
* bis vier Gelenke befallen,
* mehr als vier Gelenke befallen,
* zusätzlich noch Fieber, Lymphknotenschwellungen und in schwersten Fällen auch eine Herzbeutelentzündung.
 
Polymyalgia rheumatica
 
Hinter dieser medizinischen Bezeichnung verbirgt sich ein Altersleiden, das erst nach dem 60. Lebensjahr auftritt. In der Muskulatur des Nackens, der Schultern und Oberarme, aber auch im Beckenbereich und an den Oberschenkeln treten spontane Druckschmerzen auf. Es kommt zu schmerzlichen Bewegungsbehinderungen, insbesondere in den Morgenstunden. Die Schmerzen können auftauchen und wieder verschwinden. Der Rheumafaktor ist nicht nachweisbar. Psoriasis-Arthritis
 
Bei dieser Form der Arthritis zeigt sich ein asymmetrischer Befall der kleinen Gelenke, manchmal mit Bildung sogenannter ›Wurstfinger‹. Auch die Zehendehngelenke werden häufig befallen.
 
Die Krankheit beginnt meist akut. Beobachtungen haben gezeigt, daß der Psoriasis-Arthritis häufig eine Psoriasis (Schuppenflechte) oder eine Arthritis mutilans vorausgeht, was aber bereits Jahre zurückliegen kann. Gegenüber der Rheumatoid-Arthritis ist die Wirbelsäule stärker beteiligt. Rheumatisches Fieber
 
Vor allem bei Kindern auftretende rheumatische, infektionsallergisch bedingte Erkrankung mit hohem Fieber. Rheumatoid-Arthritis
 
Bezeichnung für die Form der chronischen Polyarthritis. Sie tritt häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Die Ursachen sind noch ungeklärt. Man geht von infektiösen Ursachen aus, wie Bakterien, aber auch von genetischen Faktoren. Meist beginnt die Krankheit schleichend, symmetrisch an den kleinen, manchmal aber auch an den großen Gelenken.
 
Die Symptome sind unterschiedlich (starke Schwellungen und Schmerzen sowie Bewegungseinschränkungen) und stellen sich wie bei der Polyarthritis dar.
 
Tendomyose
 
Medizinische Bezeichnung für eine Form des Muskelrheumatismus. Ursache für die Krankheit sind meist falsche Haltung, Schäden durch einseitige Arbeit, degenerative Schäden und Überlastungssyndrome. Am häufigsten treten Tendomyosen im Rahmen von Erkrankungen am Gelenkapparat auf, vor allem im Bereich der Wirbelsäule.
 
Die Schmerzzustände ähneln anfänglich denen eines Muskelkaters: Ziehende, stärker und schwächer werdende Muskelschmerzen, zu denen dann ein Steifigkeitsgefühl kommt. Besonders nach kurzen Ruhephasen scheinen die Muskeln wie erstarrt zu sein. Ganze Muskelgruppen können sich verhärten. Man nennt das auch ›Hartspann‹, der auch von medizinisch nicht so geübten Menschen ertastet werden kann.
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