Knaack, Kristian
Der Kunstschatz des Führers
Die ›Kammler-Akte‹
Wenn Kunstschätze in Flammen aufgegangen sein sollen, ist grundsätzlich Mißtrauen angesagt. Dies gilt auch für Wildenhoff südlich von Königsberg, zumal niemand genau weiß, ob nun die Deutschen oder die Sowjets das Schloß in Ostpreußen angesteckt haben, die SS oder Görings Soldaten von dort das Bernsteinzimmer abgeholt und Flammen gelegt hätten. Wo Wildenhoff einstmals stand, ist nichts mehr zu sehen, so wie das Tannenberg-Denkmal ebenfalls völlig verschwunden ist. Was dort und fünf-undfünfzig Kilometer nördlich vor über sechs Jahrzehnten geschah, blieb höchstens in einigen, spärlichen Geschichten bekannt, die oftmals falsch waren und das Wichtigste überhaupt nicht wußten. Aber weder am Denkmal noch in Wildenhoff gab es heftige Kämpfe, selbst die Rettung über Pillau lief Ende Januar 1945 noch ruhig und geordnet ab. Die ›Welt größte Ikonen-Sammlung‹ aus Kiew, die auf Schloß Wildenhoff zwischen-gelagert wurde und nicht in Rauch aufging, hatte SS-Obergruppenführer Hans Kammler in einer beispiellosen Geheim-Aktion zusammen mit den Hindenburg-Särgen über Glommen, Königsberg und Pillau in das Altreich gebracht. Adolf Hitler wollte den Kunstschatz den Amerikanern geben, um im Westen den Krieg beenden zu können. Kammler brachte die wertvollen Kisten in das Bergwerk Grasleben bei Helmstedt, das von US-Truppen erobert wurde.